K 2025 | 08.10.25 - 15.10.25 | Düsseldorf
KI hilft, wenn sie gut entwickelt und implementiert wurde
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Info: Die Industrie drängt zur KI. Gelockt vom Versprechen von mehr Effizienz und steigenden Gewinnen setzen inzwischen einige Firmen auf Chatbots und andere Programme, die diese Versprechen wahr werden lassen sollen. Wir haben mit der Software-Schmiede Reifenhäuser Next über ihr Modell gesprochen, das neben dem Chatbot noch Videos zum Anlernen von Mitarbeitern beinhaltet und Daten aus dem Produktionsprozess sammelt.

Anmoderation: KI ist nicht gleich KI. Was wir im normalen Internet als KI erleben, kann mit ihren Cousinen aus der Wirtschaft nicht mithalten. Eine kleine Berühmtheit wurde ja der Chatbot der Stadt Heidelberg, der - kleine Stichprobe - immer noch kräftig halluzinieren kann. So etwas darf in einer Steuerung teurer Anlagen nicht passieren, denn das würde teuer. In der Messe Düsseldorf pappen gerade eine Menge Firmen das Label KI auf ihre Produkte.

Frage 1: Harald Schönfelder ist unser Reporter auf der Kunststoffmesse K. Wie sieht die KI in der Industrie im Optimalfall aus?
 Frage 2: Wenn es doch nur um Maschinensteuerung und die Einrichtung von Arbeitsabläufen geht, wofür braucht es die KI? Frage 3: Böse gesagt: Die KI verringert den menschlichen Kontakt zum Kunden und ersetzt menschliche Mitarbeiter.

Frage 4: Wo führt der Weg hin? Noch mehr KI auf den Geräten, spezialisiertere Programme für die einzelnen Anlagen?

Frage 5: Generell gibt es in der Industrie aber auch Unterschiede oder betreiben alle so einen Aufwand?

Abmoderation: Da sind die Regressforderungen nicht weit. Danke Harald, die Kunststoffmesse K läuft gerade noch in Düsseldorf. Und die Anlagenbauer für die Kunststoffindustrie haben begonnen, KI in ihre Maschinen einzubauen. Die sind, wenn sie gut gemacht sind, deutlich intelligenter als ihre Kumpels im freien Internet. 
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Antwort 1: Also, da kann ich wirklich nur auf den Anlagenhersteller Reifenhäuser kommen. Der hat seine Software-Abteilung zu einer eigenen Firma umgebaut, die sich nur um Digitalisierung kümmert. Die heißt Reifenhäuser Next und implementiert auf Wunsch eine KI in die Maschinensteuerung. Und jetzt komme ich auf die Frage zurück: Die KI hängt nicht am Internet, sagt Andreas Wagner, Produktchef bei Next.
O-Ton
Die Steuerung sollte also vor teuren, selber produzierten Fehlern geschützt sein. Das sorgt auch für einen entspannteren Umgang damit, wenn man weiß, okay am digitalen Helfer liegt es nicht, wenn hier ein Millionenschaden durch Falschbedienung entsteht.

Antwort 2: Die Kunststoffindustrie hängt gerade ein wenig durch. Dadurch fällt es vielleicht nicht so auf, aber die Branche erlebt schon den Fachkräftemangel und der soll noch schwerer werden. Der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer schätzt, dass in den nächsten zehn Jahren ein Viertel der Beschäftigten in Rente geht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dann noch da sind, die werden in der Firma gebraucht. Wenn ein Kunde eine Anlage kauft, wird die Belegschaft in der Bedienung trainiert, und das soll in Zukunft verstärkt die KI übernehmen. 
O-Ton
Neben der Unterstützung beim Anlernen soll der Chatbot auch bei der Problemsuche helfen und die nächsten Arbeitsschritte empfehlen. Letzteres ist aber noch weiter in der Zukunft.

Antwort 3: Wenn es richtig gemacht wird, dann Ersteres "ja, aber..." und Letzteres "Nein, soll es nicht". Erstmal zum "aber", denn wenn ein Stillstand zehntausende Euro kosten kann, wegen des Produktionsausfalls, dann ist mir eine schnelle Hilfe vom Computer lieber als ein Mensch, der aber erst am nächsten Tag da ist. Und was die Mitarbeiter angeht: Es soll eher eine Koexistenz sein, sagt Andreas Wagner. Und es wird eben auch weniger potentielle Mitarbeiter geben.
O-Ton
Dazu gehört auch, dass die jeweilige KI ihre eine Anlage kennt, also im besten Sinne ein Fachidiot ist. Eine Konkurrenz zu Menschen, die generalisierter arbeiten können, fällt also Stand jetzt weg. 

Antwort 4: Ja, irgendwie schon. Es soll ein Ökosystem entstehen. Next ist mehr als der Chatbot, dazu gehört noch das Video-Lernen beim Kunden, der so die Anlage erklärt bekommt und auch eine Datenerfassung der Produktion, auf die die KI dann auch zugreifen kann. Andreas Wagner sieht aber noch einen weiteren Punkt, ein sich veränderndes Kommunikationsverhalten.
O-Ton
Das wird den Umgang mit Maschinen verändern. Es macht die ganze Angelegenheit des Umgangs mit der Maschine natürlicher, organischer. Und um menschliches Kauderwelsch zu verstehen, der Dialog eben, da  muss die Maschine schon einigermaßen intelligent sein.

Antwort 5: Das kommt auf den jeweiligen Fall an. Klar, ich habe Reifenhäuser Next als Beispiel genommen, weil die außerordentlich gut eingebunden ist, im Haus entwickelt wurde und da für mein Nicht-Informatiker-Verständnis ziemlich viele und gute Gedanken drinstecken. Es gibt noch andere gute Lösungen, keine Frage. Aber zu einem guten Teil geht es auch einfach um das Aufspringen auf den KI-Zug. Da lässt eine Firma extern eine KI programmieren, nicht besonders gut, implementiert die halbherzig und verkauft hinterher eine Anlage mit einer KI, die, um es mal zu umschreiben, überzeugt ist, dass ein Bach mit Namen Odenwald-Bach durch Heidelberg fließt.

O-Ton: Andreas Wagner, Director Product & Technology, Reifenhäuser Next, RE:GmbH, 51063 Köln
Länge: 4:09 (5 Antworten kürzbar, einzeln und individuell einsetzbar)
Autor: Harald Schönfelder

erstellt: 13.10.2025 
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