CARAVAN SALON 2016 | 26.08.16 - 04.09.16 | Düsseldorf
Erfahrungsbericht: Zum ersten Mal mit einem Reisemobil unterwegs
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Info: Zum ersten Mal in seinem Leben war unser Reporter mit einem Reisemobil unterwegs. Wie er die Fahrt und die Übernachtung darin erlebt hat, erzählt er im Kollegengespräch. Abgesehen von der Premiere hat ihn eine Frage besonders interessiert: Wie kommt ein 1,90 Meter großer Typ in einem Reisemobil zurecht?

Anmoderation: In den Ferien sind die Deutschen viel häufiger als früher mit Wohnwagen oder Reisemobil unterwegs. In den vergangenen Jahren sind die Verkaufszahlen der Fahrzeuge deutlich gestiegen und auch in diesem Jahr deutet sich ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich an. Doch wie ist es für einen Einsteiger, wenn er das erste Mal mit einem Reisemobil unterwegs ist. Unser Reporter Harald Schönfelder war nun das erste Mal mit einem Reisemobil unterwegs, auf Einladung der Messe Düsseldorf und des Caravaning Industrie Verbands, und erzählt uns, wie er das Reisen empfunden hat.

Frage 1: Zuerst: wo warst Du und wie war es?

Frage 2: Also schon ein besser ausgestattetes Reisemobil, eines mit Aufsatz hinten?

Frage 3: Wie ist es denn, den zu fahren? Der ist ja schon etwas breiter als ein normaler Kastenwagen.

Frage 4: Auf der Autobahn sind die Wagen ja eher langsam unterwegs, meist um die 100 km/h. Ist das die beste Reisegeschwindigkeit?

Frage 5: Und das geht dann sicher auch auf den Benzinverbrauch.

Frage 6: Kommen wir mal vom Fahren zum Leben. Wie lebt es sich in einem Reisemobil?

Frage 7: Nun bist Du ja mit 1,90 Metern recht lang gebaut. Wie bist Du damit zurechtgekommen?

Frage 8: Besonders heikel ist das jetzt nicht ...

Abmoderation: Danke Harald, und wenn Sie sich nicht sicher sind, ob ein Urlaub im Reisemobil was für Sie ist: Es gibt überall im Land Vermieter, die verschiedene Basismodelle und verschiedene Aufbauten im Angebot haben. Einfach mal für ein paar Tage ausprobieren, dann dürften Sie wissen, ob das was für Sie ist. Oder Sie sehen sich ab Ende August auf dem Caravan Salon der Messe Düsseldorf um. Dort sind alle Hersteller vertreten und dort können Sie auch probesitzen oder kurze Testfahrten auf einem abgesperrten Gelände machen. Und in der StarterWelt gibt es auch Infos und Gesprächspartner, die unabhängig von Herstellern sind.

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Antwort 1: Also, ich war auf einer Pressereise unterwegs, also mit lauter Kollegen, verteilt auf rund 20 Wagen. Das war eine Reise von Düsseldorf aus nach Maastricht, weiter über die Grenze nach Belgien, in die Nähe von Spa. Am nächsten Tag dann nach Luxemburg und am dritten Tag zurück nach Düsseldorf. Der erste Eindruck war wirklich gut, eine nett anzusehende Innenausstattung, viele Möglichkeiten, Gepäck zu verstauen, Kühlschrank, Dusche, Toilette, Küche, alles drin. Und zwei reguläre Betten und ein drittes zum Selberbauen auch dabei. Mehr braucht kein Mensch auf Reisen, eigentlich.

Antwort 2: Genau, das war ein sogenannter "Teilintegrierter", also vorne das Fahrerhaus, ein Fiat Ducato, das meistverbreitete Basismodell mit seinen baugleichen Geschwistern von Citroen und Peugeot. Dahinter dann der Wohnbereich, zugänglich direkt von den beiden Sitzen vorne und durch eine Eingangstür rechts. Das ist der typische weiße Kasten, in dem alles untergebracht ist.

Antwort 3: Ja, der ist breiter, rund 2,30 Meter. Das war aber erstaunlicherweise kein Problem. Die Außenspiegel sind groß und haben einen eigenen Spiegel für den Toten Winkel. Also selbst über schmale Straßen zu manövrieren, ist damit kein Problem. Hinten die Rückwand ist geschlossen, dafür gibt es beim Zurücksetzen eine Kamera, das geht also auch sehr einfach. Wir haben uns in einem Luxemburger Städtchen namens Wiltz verfahren und steckten im Einbahnstraßensystem des alten Ortskerns. Und dort hat mich und den Kollegen, der mitfuhr, der ziemlich kleine Wendekreis beeindruckt und eben auch die Übersichtlichkeit. Eine einzige Kurve dort, eine Spitzkehre haben wir nicht auf Anhieb geschafft. Aber das lag eher an der Länge des Wagens, 7,45 Meter in einem Zug rumzuwuchten, das hätte mit keinem Wagen geklappt.

Antwort 4: Also, gefühlsmäßig kommt es auf den Fahrer an. Auf ebener Strecke sind auch 120 okay. Es wird halt etwas lauter und man muss sich beim Überholen von LKW etwas vorsehen, die Luft zwischen zwei so großen Wagen hat wenig Platz und drückt einen schon zur Seite, vom überraschenden Seitenwind nach dem Überholen ganz zu schweigen. Bergauf ändert sich das mit dem Tempo aber. Auf einer belgischen Autobahn durch die Ardennen hatte der Wagen schon zu kämpfen, im sechsten Gang geht es dann schnell runter auf Tempo 90 und auch im fünften Gang ging es nicht schneller. 148 PS hatte der Wagen, aber Gewicht und die große Frontfläche verlangen halt ihren Tribut.

Antwort 5: Das auf jeden Fall, daran musste ich mich auch erst gewöhnen. Auf einer ebenen Strecke habe ich mal den aktuellen Verbrauch über den Bordcomputer verfolgt. Also Pi mal Daumen bedeutete da Tempo 100 und Geschwindigkeit halten, dass er zwischen 9 und 10 Liter verbraucht hat, also Diesel. Also die Benzinkasse sollte schon gut gefüllt sein. Der Tank ist allerdings groß, so dass die Tankstopps trotzdem selten sind.

Antwort 6: Eigentlich sehr kommod. Schubladen und Schränke gibt es mehr als genug, einen Tisch mit Sitzbank auch, eine zweite Sitzbank kam noch dazu. Die Betten sind bequem. Es ist darin allerdings alles etwas lauter. Ich bin nachts von starkem Regen wach geworden und dachte zuerst, es würde hageln, waren aber doch nur flüssige Tropfen, die da aufs Dach klopften. Dusche und Toilette sind zwar etwas eng, aber auch gut zu benutzen, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, die Ellenbogen etwas dichter am Körper zu halten. Da der Platz ziemlich gut ausgenutzt ist, ist natürlich alles etwas schmaler dimensioniert und hat ein bisschen was von einem Puppenhaus.

Antwort 7: Das ist der einzige heikle Punkt. Also stehen und gehen sind ganz problemlos. Für kleiner gewachsene Menschen gibt es beim hinteren Eingang eine Trittstufe, die habe ich nicht gebraucht. Auch in der Dusche ist nach oben noch Luft gewesen, auch weil dort ein Dachfenster war, dass den Raum nach oben verlängert hat. Bei den Betten allerdings ist es etwas problematisch. Je nach Modell sollte man auf die Bettlänge achten, das kann bei Leuten meiner Größe problematisch werden. Was ein wenig schade ist, sind die niedrigen Fenster. Wer meiner Größe ist und mal nach draußen sehen will, muss sich bücken. Ich fand das ein wenig unangenehm, dass man eben im Stehen kaum nach draußen sehen kann.

Antwort 8: Stimmt, das einzige wirkliche Problem hatte nichts mit dem Wohnwagen an sich zu tun, das hing mit dem Auto an sich zusammen. Das Problem: Die Sitze im Fahrerhaus waren nicht höhenverstellbar. Wenn ich entspannt aufrecht saß, egal ob als Fahrer oder Beifahrer, hatte ich die obere Fensterkante der Seitenfenster auf Augenhöhe. Raussehen ging nur mit krummem Rücken. Der Fensterrahmen vorne war bei mir auf Stirnhöhe, das war also ein ähnliches Problem. Oben waren noch Ablagen, ich hatte also beständig das Gefühl, vor eine Wand zu sehen. Das hat dazu geführt, dass ich ständig gebeugt in den Sitzen saß und das hat einfach weh getan nach den drei Tagen. Wer groß ist, sollte also auf diesen Punkt achten. Anfangs denkst du noch, ach, alles nicht so schlimm, später dann tut der Rücken doch weh. Bis auf die Sitze im Fahrerhaus und Bett aber lässt es sich auch als 1,90 Meter-Typ ganz gut in einem Reisemobil leben.

O-Ton: --
Länge: 4:38 (8 Antworten kürzbar, einzeln und individuell einsetzbar)
Autor: Harald Schönfelder

erstellt: 07.07.2016 
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